Schreiben an den Bundesverkehrsminister

geplante Baumfällungen auf der Hüsunginsel im UNESCO-Welterbe Hufeisensiedlung

Sehr geehrter Herr Minister,

als Bewohner des UNESCO-Weltkulturerbes Hufeisensiedlung begrüßen wir es sehr, dass es die Bundesregierung mit dem Welterbestättenprogramm möglich macht, in der Vergangenheit Versäumtes nachzuholen. Leider sind einzelne Arbeitspakete in der Hufeisensiedlung so gestaltet, dass sie von der Bewohnerschaft nicht akzeptiert werden können.

Unser konkretes Anliegen zielt auf die geplanten Arbeiten im rautenförmigen Straßenzug Hüsung, der eine kleine Grüninsel (Hüsunginsel) mit vierzig Reiheneinzelhäusern umschließt. Zur Illustration fügen wir ein paar Bilder bei, die den dorfangerähnlichen Charakter wiedergeben.

Die Planungen des Neuköllner Bezirksamtes – vertreten durch Herrn Stadtbaurat Thomas Blesing – sehen folgende Arbeitsschritte vor, die von uns abgelehnt werden:

  • Sieben von zwölf Bäumen sollen gefällt werden.
  • Die umgebende Hecke soll komplett weggerissen und neu gepflanzt werden.
  • Obendrein soll der Rasen samt seinen Frühblühern zerstört und neu angelegt werden.
  • Die Hüsunginsel soll vollständig von sogenannten Tiergartenbändern umgeben werden. Bisher ist dies nur beim Rondell um die zentrale Linde der Fall.

38 von 40 Anwohnerhaushalten der Hüsunginsel lehnen diese Planungen ab. Eine entsprechende Unterschriftensammlung wurde den verantwortlichen Neuköllner Behörden im März dieses Jahres übermittelt, ohne dass darauf eine Reaktion erfolgt wäre.
Bitte erlauben Sie uns den Hinweis, dass es uns nicht darum geht, die Arbeiten einfach nur zu verhindern. Uns ist allzu bewusst, dass die Mittel aus dem Welterbestättenprogramm der Bundesregierung nur einmalig zur Verfügung stehen und plädieren deshalb dafür, diese sinnvoller als bisher geplant einzusetzen.

Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht unumgänglich, über tragfähige Alternativen nachzudenken. Dabei ist zu bedenken, dass sich die finanziellen Handlungsspielräume des Bezirks Neukölln zur Pflege der Grünflächen zukünftig nicht anders gestalten werden als vor dem geplanten,- einmalig finanzierten! – denkmalpflegerischen »Eingriff<«. Nur wären wir als Anwohnerschaft eines Großteils unserer Bäume beraubt.

Wie die Denkmalschutzbehörden sind auch wir der Auffassung, dass die Hüsunginsel der Pflege bedarf. Eine Aufgabe, die vom Bezirk Neukölln in den letzten Jahren nur rudimentär bewältigt wurde, woraus letztlich der aktuelle status quo resultiert.

Wir regen daher als Alternative an, die verfügbaren Mittel so umzuwidmen, dass die Pflege der Hüsunginsel für die Dauer von zehn Jahren gesichert wird. Kurz zusammengefasst sind uns folgende Punkte wichtig:

  • Erhalt aller Bäume plus Neuanpflanzung ergänzender Obstbäume auf der Westseite.
  • Aufarbeitung des Rasens und Erhalt aller Frühblüher statt Neuanlage.
  • Arbeiten an der Hecke erst, wenn ein neutrales Gutachten ergibt, dass keine andere Lösungsmöglichkeit besteht.
  • Ausschließliche Instandsetzung der vorhandenen Tiergartenbänder.
  • Überführung der verbleibenden Mittel in einen auf zehn Jahre angelegten Grünpflegefond, aus dem das Unternehmen, das mit der Ausführung der ursprünglich geplanten Arbeiten beauftragt ist, bezahlt wird.

Uns ist bewusst, dass unser Alternativvorschlag vergaberechtlich äußerst schwer umzusetzen ist. Zudem widerspricht er auch dem Charakter des Konjunkturpaketes, aus dem das Welterbestättenprogramm finanziert wird. Gleichwohl ist anzumerken, dass das Arbeitspaket Hüsunginsel mit Blick auf den Gesamtumfang der Grünarbeiten einen sehr bescheidenen Umfang hat und – so die Gerüchteküche – andere Projektteile ergänzender Finanzmittel bedürfen.

Wir bitten Sie daher, uns zu unterstützen und die vorgenannten Vorschläge insbesondere zum Grünpflegefond wohlwollend prüfen zu lassen. Dies würden wir als äußerst positives Signal nicht nur für die Hüsunginsel, sondern für das bewohnte UNESCO-Weltkulturerbe Hufeisensiedlung in Gänze ansehen. Für eine Beteiligung oder gar eine kontinuierliche Einbindung der Wohnbevölkerung im Sinne des UNESCO Welterbe-Manuals bestehen noch zahlreiche Verbesserungspotentiale. So hätte es ohne die Initiative des gemeinnnützigen Siedlungsvereins genau eine einzige Veranstaltung zur Bedeutung des Welterbes gegeben!

Bei aller Kritik an den beteiligten Stellen möchten wir eine Sache positiv hervorheben: Das Landesdenkmalamt ist in Person von Herrn Dr. von Krosigk mittels des Siedlungsvereins an die Anwohnerschaft der Hüsungsinsel herangetreten (24. August 2011) und hat Interesse an einem Dialog bekundet. Es wäre äußerst begrüßenswert, wenn sich auf diesem Wege ein gangbarer Kompromiss finden ließe, der sich am Alternativvorschlag der Anwohnerschaft orientiert.  Dieser Dialog wird voraussichtlich am 17. November 2011 (*) stattfinden.
(…)

* Hinweis: Das Gespräch kam nicht zustande!

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